Männer sind auch Menschen

Gerechtigkit für alle Geschlechter. Jetzt

Natürlich kann man sich darüber aufregen, dass es für so ein wichtiges Wort wie „der Mensch“ keine weibliche Form gibt, also etwa „die Menschin“ oder wenigstens „Mensch*in“ . Ein Besucher von einem anderen Stern könnte ja glatt auf die Idee kommen, dass es auf der Erde nur eine Sorte Menschen gibt, die sich – wie die Pantoffeltierchen – deshalb auch ungeschlechtlich vermehren.

Ich finde wirklich, da wir ja gerade keine anderen Sorgen haben, es ist an der Zeit, sich dieser wichtigen Frage endlich anzunehmen. Fühlen wir uns alle nach der Etablierung von „Mensch_in“ besser? Vielleicht, aber das dürfte nicht lange anhalten.

Ich höre schon die Entsetzensschreie aus der Männerkabine: Und was ist mit uns? Wie lange sollen wir denn noch warten, bis endlich Geschlechtergerechtigkeit einkehrt und eindeutig weiblich dominierte Worte gendergerechte Artikel bekommen. Reden wir doch mal über „die Geisel“ oder „die Majestät“ oder „die Lehrkraft“. Weit und breit gibt es niemanden der – außer beim Deklinieren natürlich – von „der Geisel“ spricht oder von „der Majestät“. Hallo, geht’s noch? Hier wird einfach unterschlagen, dass auch Männer eine „herr“-liche Majestät darstellen könnten, wenn feministische Germanistik-Amazonen das nicht immer und immer wieder mit einem vielversprechenden Augenaufschlag verhindern würden.

Dabei liegt die Lösung auf der Hand. Man könnte, um es allen Geschlechtern gerecht zu machen, schlicht von „die Majestät-erich“ oder von „die Geisel_o“ (wie bei Renat_o“) reden. Auch „GeiselEr“ wäre denkbar. Allerdings weiß ich nicht, ob bei den angeblich 60 möglichen Geschlechter der Menschheit ein einziger  Unterstrich (_) ausreicht, Wir wollen ja niemanden diskriminieren.

Möglich wäre es auch gleich auf das generische Femininum zu gehen. Das generische Maskulinum  können Sie vergessen, das hat seine besten Tage längst hinter sich. Wir sprächen dann nur noch von Ärztin oder Apothekerin, egal ob es sich um Frau oder Mann oder Diverse handelt. So machen sie es beispielsweise an der Uni Potsdam oder bei der Grundordnung der Uni Leipzig. Das hat mir zumindest mein(e) freund*in, die Professorin Peter Underline versichert.

Der Vorreiter(in) beim generischen Femininum war angeblich das Städtchen Buchholz in der niedersächsischen Nordheide. Am 02.11.1994 beschloss man dort eine Hauptsatzung in der nur noch weibliche Amtsbezeichnungen verwendet wurden. Auch wenn ein Mann an  der Spitze des  40.000-Einwohner-Städtchens stand , trug er in der Hauptsatzung den ehrenvollen Titel einer „Bürgermeisterin“.

Mögliche Proteste einer konservativen Ehefrau , die nicht in Verdacht geraten wollte, eine gleichgeschlechtliche Ehe zu führen, verhallten ungehört.

Heute findet man auf der Website von Buchholz allerdings weder Sternchen noch Binnenkapitalen noch Unter- und Schrägstriche. Schuld daran ist das uneinsichtige Justizministerium in Hannover, wie der Pressesprecher von Buchholz Heinrich Helms, bestätigte. Das Ministerium bestand darauf, dass bei Formulierungen in der Rechtssprache beide Geschlechter zu benennen sind, also gilt seit dem 4. März 1997 wieder die Bezeichnung Bürgermeister und Bürgermeisterin. Vermutlich sitzen in Hannover halt alte, weiße starrköpfige Männer.

Menschlich betrachtet kann man aber dankbar sein, dass jetzt kein Besucher in der wunderschönen Nordheide mehr befürchten muss, auf mehr Pantoffeltierchen denn auf schnuckeliche Heidschnucken zu treffen. Wenn Sie trotzdem solche Wimpertierchen entdecken, fragen Sie ihre Ärztin oder Apothekerin oder die nächste Menschin, die Ihnen über die Heide läuft. (spec)