Eine Frage des Stils

Online-Kurs journalistische Stilformen – Texten mit Format – Teil VIII Gutes Deutsch

Korrektes Deutsch garantiert noch keine spannende, interessante Story. Aber es macht Ihre Geschichte lese- und Leserfreundlicher. Meistens. Was ist „gutes Deutsch“? Auf alle Fälle eine Frage über die man trefflich streiten kann; nicht nur zwischen Juristen und Journalisten. Behördenleiter werden sie wohl anders beantworten als Pädagogen oder Philosophen, Jugendliche anders als ältere Menschen. „Gutes Deutsch“ im Journalismus ist kein Selbstzweck, sondern erfüllt eine Aufgabe – es hilft schnell und verständlich zu informieren oder einprägsam, unterhaltsam und spannend zu schreiben.

In diesem Teil der Reihe finden Sie einige Regeln, die helfen sollen, sich der Stärken und Schwächen ihrer Texte bewusst zu werden. Ob Sie sich an diese Regeln (oder wenigstens an einige) halten oder nicht, ist Ihre Entscheidung. Bewusste Regelverstöße sind manchmal auch ein Zeichen von Kreativität.  

Weg von Watte und Wichtigtuerei

„Gutes Deutsch“, sagt der Sprachstil-Lehrer und -Kritiker, Wolf Schneider[1], ist „redliches, farbiges, kraftvolles Deutsch“; Deutsch in „klar dahin strömenden Sätzen – weg von Watte, Wichtigtuerei und den giftigen Nebeln des Jargons“.
Gutes Deutsch bedeutet, dass der Autor seinen Stoff beherrscht, den Menschen anspricht, verständlich schreibt, bildhaft, sinnlich formuliert , das treffende Wort findet und handlungsorientiert erzählt.
Und wenn er dann auch noch den Fallen der deutschen Sprache ausweichen kann, wird „gutes“ zum „genussvollen Deutsch“. Der Text wird „nützen und ergötzen“ – so wie von Horaz gefordert.

Beherrsche die Sache

Die wichtigste Stilregel formulierte vor mehr als 2250 Jahren der römische Staatsmann und Schriftsteller, Marcus Porcius Cato der Ältere (234-149 vor Chr.): Beherrsche die Sache, dann folgen die Worte. Wer von einem Gegenstand nichts versteht, wird niemals gut darüberschreiben können. Und wer nicht weiß, wem (Zielgruppe) er was (Inhalt) und warum (Intention) mitteilen will, wird allenfalls zufällig die richtigen Worte und den richtigen Aspekt wählen. Deshalb prüfen Sie bitte zunächst:

Was wollen Sie sagen? Warum wollen Sie es sagen? Wem wollen Sie es sagen? Wie wollen Sie es sagen?

Menschen schreiben für Menschen. Natürlich ist das eine Plattitüde, aber vielleicht ist sie inzwischen schon so platt, dass man sie glatt übersieht. Deshalb betone ich es noch einmal: Menschen schreiben für Menschen und die lesen an liebsten Geschichten über Menschen. 

„720.000 Alzheimer-Kranke werden in Deutschland von Angehörigen gepflegt.“

Das ist eine Information, eine wichtige Information. Aber berührt sie uns wirklich oder legen wir sie einfach im Ordner „Was auch noch schrecklich ist“ ab? Ändert sich unsere Reaktion, wenn wir einen Menschen näher kennen lernen, der seine Mutter, seine Großmutter oder den Partner pflegt?

  • „Wir hatten uns das recht schön ausgemalt mit dem Alter”, sagt sie. Nun ist sie 69, er 79 – und für sie wird es immer schwieriger, Wohnung und Leben in Ordnung zu halten: Seit fünf Jahren führen wir eine Art Ehe zu dritt. Rolf, ich und Alzheimer“

„Frau Krimmling fragt sich, wie das gehen soll: Rolf schützen und sich selbst dabei nicht genieren. Sie hasst es, ihn auf die Herrentoiletten zu begleiten. Doch sperrt er sich ein, begreift er nicht, dass sich die Tür wieder öffnen lässt – auch wenn sie davorsteht und ihn anweist.“

– „Marita Lang hatte sich in ihrer Wohnung immer schlechter zurechtgefunden, immer wieder war sie gestolpert; sie verlegte Geld in der Unterwäsche, sie verwechselte Mann und Söhne, und wenn der Pflegedienst zum Waschen kam, fühlte sie sich bedrängt. Es waren Monate, in denen Herr Lang mittags Fertiggerichte auftischte und nachts grübelte, welchen schwarzen Fleck auf der Seele er und seine Frau da eigentlich gerade büßten.“ 

Das sind Auszüge aus Katja Thimms Reportage „Rolf, ich und Alzheimer“ (Spiegel 26), die zeigen sollen, wie aus einer Zahl ein nachvollziehbares Schicksal wird, an dem wir Anteil nehmen, mitfühlen, mitleiden können. Zumindest fangen wir an, zu verstehen, was es heißt Alzheimer-Kranke zu pflegen.

Fakten informieren über das Ausmaß eines Problems, die Schilderung von Einzelschicksalen zeigt, was hinter den Zahlen steht.

Sol Stein („Über das Schreiben“) sagt: „Das Geschehen spricht unsere Gefühle erst dann wirklich an, wenn wir die handelnden Personen kennen.“ Und Ludwig Reiners („Stilfibel“) warnt, wer sich nur an den „Verstand wendet, wird nie gut schreiben. Nur was aus Gefühl und Willen stammt und Gefühl und Willen wachruft, kann bis in die Tiefe durchschlagen.“

Verständlich schreiben

Ja, ich werfe gerne noch einmal fünf Euro in das „Phrasen-Sparschwein“, aber gesagt werden muss es trotzdem:  Verständlichkeit ist nicht alles, aber ohne Verständlichkeit ist alles nichts. Kein vernünftiger Mensch wird sich freiwillig durch einen Text quälen, der einem Silbenrätsel ähnlicher ist als einer Erzählung. Warum sollte er auch? Entweder hat der Autor selbst nicht verstanden um was es geht, oder er spielt den Pfau, der unablässig zu beweisen versucht, wie schillernd, schön und schlau er ist. Noch schlimmer – vielleicht verachtet er ja unbewusst den Leser und möchte sich nicht auf dessen Niveau hinab begeben.
In jedem dieser Fälle ist die Sprache keine Brücke, sondern eine Barriere zwischen Autor und Leser.

Was heißt: Verständlichkeit?

Was aber heißt nun eigentlich[2] „verständlich schreiben“?  Auch das ist längst erforscht. Und zwar gründlich. Mehr als vier Jahre lang haben Friedemann Schulz von Thun[3] und andere Psychologen und Kommunikations-Wissenschaftler Texte untersucht, um herauszufinden, was sie verständlich erscheinen lässt.

Diese vier Punkte sind demnach entscheidend: 
– Einfach: kurze Sätze, bekannter Wortschatz, anschaulich formuliert                                         
– Klar gegliedert
: Sichtbarer roter Faden, innere Folgerichtigkeit durch logischen Aufbau
– Kurz, prägnant: auf das Wesentliche beschränkt, keine Füllwörter, keine schwammigen Begriffe
– Stimulans: emotionale Ansprache, nachvollziehbare Beispiele, bildhafte Sprache, Personifizierung, wörtliche Rede.

Das einfache Wort, sagte Arthur Schopenhauer (1788 –1860) zum Thema Verständlichkeit, sei die beste Wahl, wenn man mit „Worten wirken wolle. „Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge. Oder – man schweige.“

Schreibe „bildhaft“

Bildhaft, aktiv, mit Worten malen und bewegen – Stefan Zweig (1881 – 1942) beherrschte diese Kunst. Sein episches Werk und seine historischen Miniaturen bieten eine Fülle plastischer Bilder. Hier ein paar Appetitanreger:[4]
– „Mit pochenden Lungen., gerade noch kann er die Nachricht melden: Julius Caesar, der Diktator ist ermordet worden auf dem Forum von Rom; dann knickt er zu Boden.“  (Sternstunden, Cicero)

 – „Mit silbernem Ton musizieren die Quellen in die abseitige Stille.“ (Sternstunden, Cicero.

Kapitän Scott hat den Wettlauf zum Südpol gegen den Norweger Amundsen verloren. Seine Expedition kämpft sich zurück: Und dann das Ende:

– „Sie kriechen in ihre Schlafsäcke, und von ihren Leiden ist nie ein Seufzer in die Welt gedrungen.“ (Sternstunden, Kampf um den Südpol)

…und setze das treffende Wort
Es gibt „keinen guten Stil ohne den genauen, den treffenden Ausdruck“ und das „treffende Wort kann nur jenes sein, dass die Sache oder den Sachverhalt in ungetarnter, schlüssiger, allgemein verständlicher Form benennt“ (Reiners). Das sagt sich so leicht, aber welches Wort trifft wirklich genau das, was wir meinen? 

Allein für das Wort „sagen“ gibt es dutzende von Synonymen, die alle etwas anderes
„be-sagen“. Suchen Sie das eine „Sagen“, das wirklich ausdrückt, was Sie meinen:    

Antworten, anmerken, ansagen, argumentieren, artikulieren, äußern, austauschen, begründen, bekannt geben, bemerken, betonen beteuern, behaupten, blöken, blubbern, brabbeln, brüllen, brummen, darauf hinweisen, debattieren, deuten, Bescheid geben, deutlich machen, informieren, mitteilen, wissen lassen, im Ton vergreifen, verkünden, feststellen, informieren, von sich geben, anführen, erwähnen, erklären, vorbringen, oder – einfach „sagen“?

Mark Twain (1835 -1910) hat Recht: Der Unterschied zwischen dem beinahe richtigen Wort und dem richtigen Wort ist so groß wie der zwischen einem Glühwürmchen und dem Blitz.[5]

Oberbegriffe streichen

Wenn Sie einen Oberbegriff in Ihrem Text entdecken, dann streichen Sie ihn sofort und unwiderruflich. Das treffende Wort ist nur in Ausnahmefällen ein übergeordneter Begriff. Oder hat der Meister der deutlichen Aussprache, der Mann, der dem Volk aufs Maul geschaut hatte, Martin Luther, etwa übersetzt?

  • Und warum macht ihr euch Gedanken wegen eurer Lebensbedürfnisse? Schauet die Pflanzen in der Natur, wie sie an Größe zunehmen. Sie verrichten keinerlei Arbeit, aber ich erkläre euch, dass ein Adliger in seinem herrlichsten Kleidungsstück nicht so geschmückt ist wie sie. 

Nein, Luther übersetzte konkret und anschaulich. Denn, auch für ihn war ein Tisch zunächst ein Tisch, vielleicht ein spezieller Tisch, aber er hätte ganz bestimmt nicht „Möbelstück“ geschrieben. Und deshalb spricht er in der „Bergpredigt“ nicht von Lebensbedürfnissen, sondern von Kleidern und nicht von Adligen, sondern von Salomo.

  • „Und warum sorget ihr euch um eure Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet, gewesen ist wie derselben eins.“

Mit „thermischem Recycling“ können Sie vielleicht Eindruck auf einer Party machen, ansonsten gilt schlicht „Müllverbrennung“ Oder wollten Sie den Prozess der Verringerung von Abfallmengen und Schadstoffen beschreiben? Oder doch die Verbrennung von Abfallstoffen, um neue Energien zu gewinnen, oder, oder?

Präzision, Präzision, Präzision

Die deutsche Sprache ist reich an bildhaften, erhellenden Begriffen, die man manchmal „mit der Wurzel ausgraben“ muss, um den tieferen Sinn zu erfassen. Da ist zum Beispiel das Wort „Nachricht“. In Deutschland wird es immer häufiger durch das simplere „News“ (Neues) ersetzt. Schade, denn „Nachricht“ sagt wesentlich mehr. Das Wort wurzelt in der Aufforderung sich „darnach zu richten“. Die Nachricht betrifft also vorrangig Ihr persönliches Verhalten, ihre Entscheidungen und Erkenntnisse. Nach dieser Definition fielen allerdings die meisten Boulevard-News nicht unter den Nachrichten-Begriff.

Und ist „Informationsdefizite“ wirklich anschaulicher als „Wissenslücken“, sagt „Gefährdungspotenzial“ mehr als „Risiko“ oder „ist alternative Technologien“ tatsächlich prägnanter als „Wind- und Sonnen-Energie“.

Und was muss das für ein Autor sein, der ein Wort wie „Kollateralschaden“[6] benutzt? Ist er nur zynisch oder will er bewusst die Zahl der Toten und Verletzten und den Schaden an Hab und Gut der Zivilbevölkerung verschleiern? Kollateralschäden entstehen durch ungenauen und/oder überdimensionierten Waffeneinsatz. Sie sind zwar nicht beabsichtigt, werden aber billigend in Kauf genommen. Ansonsten spricht man im Militärjargon von „Begleitschaden“ – Tote waren leider nicht zu vermeiden.

Wenn Sie also mit ihrem Text nicht „tarnen und täuschen“, verschleiern und vertuschen wollen, dann sollten Sie an den Stifter des bekanntesten Journalisten-Preises, Joseph Pulitzer, denken, der an die holzvertäfelten Wände der „New York World“-Redaktion sein Credo meißeln ließ „Präzision, Präzision, Präzision“.

Kürze ist Würze

Knapp, kurz, treffend gleich wirkungsvoll – lautet die goldene Regel. Das wusste schon Cäsar. Oder wie sonst hätte der Feldherr 47 vor Chr. den globalen Zitatenschatz mit den Worten bereichern können:  Ich kam, sah und siegte. Veni, vidi, vici.

Ganz ehrlich, können Sie – ohne Dr. Google zu bemühen – sofort sagen, wo und gegen wen Julius Cäsar in diese Schlacht gezogen war? Ich habe es nachgeschlagen. Es ging um einen Kampf im fernen Armenien und gegen einen gewissen Pharnakes . Dieses Ereignis ist nicht Teil einer gediegenen, Allgemeinbildung. Cäsars Ausspruch schon. Ob auch der folgende Satz die Jahrtausende überlebt hätte?

  • Beim Erreichen des Schlachtfeldes, stellte ich bestimmte Betrachtungen an, die zur Erringung des Sieges geführt haben.

Winston Churchill (1874 – 1965) versprach im 2. Weltkrieg seinem Volk am 13. Mai 1940 nicht „körperliche Beschwernisse und rückhaltlose Mobilisierung aller nationalen Energiereserven“, sondern blood, toil, tears and sweat (Blut, Qualen, Tränen und Schweiß) .

Übersetzen in Handlung

Es ist unglaublich schwer, alltägliche Szenen zu beschreiben, ohne zu langweilen, ohne „leblos“ zu werden und die Handlung zu bremsen. Was also kann man tun?  Zunächst einmal, vermeiden Sie statische Formeln wie „Sie kochte Kaffee“, „Er wachte nachts um 1 Uhr auf“, „Er ging zur Arbeit“ oder „Sie zog sich an“ Zeigen Sie stattdessen, was ER oder SIE tun. Übersetzen Sie in Handlung, was ihre Figur erlebt, und fassen Sie das nicht abstrakt und blutleer zusammen.

Natürlich sind narrative Zusammenfassungen nicht immer zu vermeiden, aber wenn der Vorgang für Ihre Geschichte wichtig ist, lassen Sie „handeln“.

Schlagen Sie doch mal bei Mark Twain nach, wie man einen so unglaublich spannenden Augenblick, wie der Kurgast wartet in der Trinkhalle von Baden-Baden auf ein Glas heißes Wasser, in Handlung verwandeln kann.

  • „Allmählich erhebt sich eins von diesen Brunnenmädchen mühsam und beginnt sich zu recken, – sie reckt ihre Fäuste und ihren ganzen Körper gen Himmel, bis ihre Fersen den Boden nicht mehr berühren, und gähnt dabei zu ihrer Erholung auf so herzhafte Weise, dass ihr ganzes Gesicht hinter ihrer Oberlippe verschwindet…Sie wirft nun einen verächtlichen Blick auf den Patienten, holt ein Glas heißes Wasser herauf und setzt es so fern wie möglich von ihm hin. Fragt er dann: ›Was bin ich schuldig? ‹ so gibt sie ihm mit ausstudierter Gleichgültigkeit, die bettelhafte Antwort: »Nach Belieben.«[1]

Ein Mann wird von seiner Frau betrogen. Er ist verletzt. Schlimmer – das Selbstbewusstsein des so erfolgreichen „Weiberhelden“ ist erschüttert. Und plötzlich sieht er sich selbst mit anderen Augen. Das kann man so sagen, man kann aber auch zeigen, beschreiben, wie sich der Mann jetzt selbst wahrnimmt.

  • „Er trat aus der Dusche, erblickte in dem beschlagenen großen Spiegel eine unförmige rosa Masse, wischte übers Glas und starrte sich an, fassungslos. Wie hatte er sich nur all die Jahre einbilden können, ein solcher Anblick sei verführerisch? Dieser alberne Haarkranz, der seinen kahlen Schädel umfing, die schlaffen Fettlappen an seinen Achselhöhlen, die jämmerlichen Wülste an Bauch und Rücken. Nackt war er (der Nobelpreisträger) eine Schande, ein Idiot, ein Schwächling.“[8]

Figuren sind dynamisch, werden lebendig, wenn sie „handeln“, fühlen, reden. Sie „gehen nicht im Regen spazieren“, sie sind „nicht wütend“ – sie sind „dramatisch“ geschildert (von Drama – altgriechisch für Handlung). Versetzen Sie sich in ihre Figuren. Zeigen Sie ihren Zorn, ihre Angst und ihre Liebe „Show, don‘t tell me“, verlangt der US-amerikanische Autor Henry James (1843-1916). Beispiele:

  • Er packte den Zettel, zerknüllte ihn und schleuderte ihn durchs offene Fenster hinaus.
  • Sie kam ihm im diesigen Licht der Straßenlaterne entgegen. Sofort lockerten sich seine verkrampften Schultern und lösten sich seine erstarrten Gesichtsmuskeln zu einem Lächeln. Der Eisenring, der seine Brust eingezwängt hatte, war abgefallen. Alles in ihm war leicht und voller Liebe.

Auch das Nachrichtenmagazin SPIEGEL verordnet seinen Autoren „Handlung“. Um sich das Prädikat „gute „Spiegel-Story“ zu erwerben, müssen zwei Forderungen erfüllt sein, schreibt der ehemalige Chefredakteur des Blattes, Leo Brawand: „Eine Grundvoraussetzung für eine gute Spiegel-Story ist,

  •  …dass der Bericht über ein aktuelles Geschehen in Aktion (Handlung) umgesetzt werden sollte. Der Leser soll dadurch den Eindruck gewinnen, dass er selbst bei dem Geschehen dabei ist, es in allen Phasen miterlebt. Nichts interessiert den Menschen so sehr wie der Mensch. Darum sollten alle Spiegel-Geschichten einen hohen menschlichen Bezug haben.“[9]

Es sind Menschen, die handeln. Also lassen Sie die Menschen nicht hinter der Druckerschwärze verschwinden.

– „Berlin will der Ukraine Helfen“. Wer jetzt genau, das Land, die Stadt oder doch die Bundesregierung? –
– „Siemens streicht 2900 Jobs in Deutschland“. Das stelle man sich mal bildlich vor. .

Homer oder Karl May

Bloße Beschreibungen sind (fast) immer langweilig. Haben Sie in ihrer Kindheit Karl May gelesen, mit Winnetou gefiebert und das Greenhorn Old Shatterhand bewundert? Und was haben Sie bei der Lektüre ganz schnell überblättert? Na klar, die schier endlosen Landschaftsbeschreibungen? Da passiert einfach nichts, keine Handlung, keine Gefühle
 – also kein Interesse.

Aber kann man Landschaften oder Sachen überhaupt als Handlung beschreiben? Homer konnte es. Aber er beschreibt nicht das legendäre Schild des Achilles nach dem Muster „oben links sehen wir“, Homer schildert stattdessen den Entstehungsprozess. Was heißt „schildert“, er malt wie der göttliche Meister Hephaistos unter dem Feuerhauch von 20 Blasebälgen mit Hammer und Zange aus Bronze, Gold und Silber blühende Jünglinge, rosige Jungfrauen und junge zum Flötenspiel tanzende Bräute modelliert.[10]
Do‘s and don’ts

Dem Ziel „gutes“ und „verständliches“ Deutsch“ nähern wir uns, sagt Wolf Schneider, wenn wir in unseren Texten u.a. folgende Regeln beachten:

  • Hauptsachen stehen in Hauptsätzen
  • Lineare Sätze werden gepflegt, aber auch Abwechslung im Satzbau gefordert
  • Schachtelsätze und Klemm-Konstruktionen sind eliminiert
  • Blähungen, Schwulst und Marotten werden vermieden[11]

Hauptsache im Hauptsatz

Dass die Hauptsache einer Aussage auch im Hauptsatz steht, versteht sich eigentlich von selbst. Aber selbstverständlich kann man auch jeden Nebensatz[12] in einen Hauptsatz verwandeln. Häufig ist die Entscheidung darüber eine Frage des Geschmacks oder der Betonung. Wenn der Inhalt für Sie besonders wichtig ist, werden Sie wohl meist die Hauptsatz-Form wählen:
 – Sie lag verletzt am Boden, ich musste ihr helfen –statt Nebensatz:  Sie lag verletzt am Boden, ich rannte los, um ihr zu helfen

– Maler lieben das heitere Licht der Toskana. Statt Nebensatz: Maler lieben die Toskana, weil hier das Licht heiter ist.

Viel öfter nerven (Neben-)Sätze, die bis zur Unverständlichkeit vollgestopft sind. Dafür hat Schneider ein schönes Beispiel in der FAZ gefunden:

  • „Dem Raub der Maschinenpistole, die in einem mit einer qualifizierten Diebstahlsicherung versehenen und mit einem mit zwei Millimeter dicken Stahlblech umkleideten Behältnis in einer Seitentüre verwahrt wird und zur Standardausrüstung jedes Hamburger Streifenwagens gehört, war ein Notruf über die Polizeinummer 110 vorausgegangen.“[13]         

Ganze 32 Wörter drängen sich im Nebensatz zwischen Substantiv und Prädikat des Hauptsatzes Für Gedächtniskünstler natürlich kein Problem, aber ich habe schon „am Streifenwagen“ vergessen, wie dick das Stahlblech war. Ludwig Reiners nennt so etwas „Klemm-Konstruktion“. Die Wörter sitzen buchstäblich in der Klemme zwischen Subjekt und Prädikat”.

 Zahl der Wörter pro Satz

Wie viele Wörter verträgt ein Satz, wenn er verständlich bleiben soll? Nicht mehr als 18, glaubt Reiners. Jedes Wort mehr geht auf Kosten der „Leichtverständlichkeit“.
Schauen wir mal:

  •  „Als S. eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.![14]

– „Ausgehend von der Allseitigkeit menschlicher Umweltsaneignung im Arbeitsprozess ist dieser bislang als eine Einheit psychischer, geistiger und
sprachlicher Tätigkeit betrachtet worden.“[15]

Das erste Zitat (Kafka) besteht aus 29Worten, das zweite aus 30 Wörtern. Zugegeben, ich habe (boshafter weise) den Erzähltext einem Arbeitsbuch-Text gegenübergestellt, aber sollten nicht beide „verständlich“ geschrieben sein? Und ist der zweite Text wirklich nur deshalb schwerer zu verstehen, weil es ein Wort mehr umfasst?

Wolf Schneider hat sich, wie viele andere zuvor und danach, ebenfalls mit dem Problem der maximalen Wortzahl pro Satz befasst, aber er machte sich zudem die Mühe zu untersuchen, wie das denn in der Praxis aussieht[16]:

47 % also fast die Hälfte aller BILD-Sätze haben vier Wörter oder weniger
09 Wörter sind die Obergrenze der optimalen Verständlichkeit laut dpa
07 bis 14 Wörter sind die Obergrenze für gesprochene Texte
12 Wörter hat die durchschnittliche Satzlänge bei BILD
17 Wörter hat die durchschnittliche Satzlänge bei Thomas Manns „Buddenbrooks“
18 Wörter sind die Obergrenze beim Kriterium „Leichtverständlichkeit“ nach Reiners
31 Wörter sind Durchschnitt bei „Dr. Faustus“, von Thomas Mann.

Irgendwo zwischen BILD und Thomas Mann liegt vermutlich die Wahrheit. Denn leider gibt es auch hier keine fertigen Rezepte, nach denen man seine Texte anrühren könnte. Sie müssen schon selbst herausfinden, wie viele Silben ihr ganz persönlicher Stil verlangt und wie viele Worte sich beim Redigieren dann als entbehrlich erweisen.

Generell lässt sich aber festhalten, kurze Sätze sind zwar meist verständlicher als lange, aber eine Aneinanderreihung von kurzen Sätzen wirkt häufig auch nur kurzatmig; ein Trommelwirbel, der schnell langweilig wird. Wie auch immer: Bevor Sie noch eine und noch eine Information in einen Satz stopfen, überlegen Sie doch bitte, ob diese Information nicht einen eigenen Satz oder wenigstens einen Nebensatz wert wäre.

Kanzlei-Sprache

Die Kanzlei-Sprache, auch schlicht „Amtsdeutsch“ genannt, nutzt Wörter und Wendungen, die im allgemeinen Sprachgebrauch nicht üblich sind und die sich durch unnötige Länge und Umständlichkeit auszeichnen. Wenn Sie also nicht wollen, dass sich Reiners im Grabe umdreht, schreiben Sie niemals:

– „Nach Maßgabe der Vorschriften des § 16, sondern einfach „§ 16“ oder
statt Zur Ansehung des nachgewiesenen Bedürfnisses, besser weil erforderlich
– Der Flur ist unter Zuhilfenahme eines Besens zu säubern oder: Der Flur ist mit
einem Besen zu säubern.

 Wider die Blähungen

Auch mit „Blähungen, Schwulst und Marotten“ hatte sich Reiners schon in seiner „Stilfibel“ angelegt. Insbesondere adverbiale Bestimmungen, die als Hauptwort daherkommen, nahm er aufs Korn.

  • Heranziehung, Einsparung, bei Eintritt guten Wetters, Hervorhebung, unter Beachtung des, in Anbetracht der Tatsache, bei in Augenscheinnahme.
  •  In Abrede stellen vs. leugnen, bestreiten – auf den Weg bringen vs. beginnen, anfangen –
    eine Untersuchung durchführen vs. Untersuchen, testen – eine Vielzahl von vs. Viele – in vollem Umfang vs. ganz – in ihrer Gesamtheit vs. alle – aus welchem Grunde vs. warum

Und weil wir gerade unsere Sprache klarspülen: Weg mit Füllwörtern wie „gewissermaßen“, „selbstredend“, „schlichtweg“, „Sozusagen“, „ich würde sagen“, „wohl“, Und statt „zu diesem Zeitpunkt“ lassen Sie uns lieber „jetzt“ sagen. Ist ein einfaches „Schweigen“ nicht viel stärker als „strenges Stillschweigen bewahren“.

Allerdings hat „ein angespanntes Kaffeeversorgungsniveau“ statt „der Kaffee ist knapp“ schon gehobenen Unterhaltungswert. Und in diesem Sinne treiben wir jetzt den Teufel mit dem Beelzebub aus. Wohlan lasset uns die Sätze stopfen wie eine Gans, auf das Reiners Leber schwillt.

Hauptwort-Übung

Versuchen Sie so viele Hauptwörter wie möglich in eine Aussage zu packen. Ich verspreche Ihnen, der Spaßfaktor ist auf Ihrer Seite. Für die Formulierung der nachfolgend aufgeführten Forderung habe ich immerhin fast zehn Minuten gebraucht. Wie lange brauchen Sie?

  •  In Anbetracht der Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit der Welt, insbesondere im Schreibgewerbe, ist es mir, in aller Bescheidenheit, ein Herzensbedürfnis –  natürlich unter der Voraussetzung Ihrer Billigung –  auftragsgemäß einen Hinweis auf die Vernachlässigung und die  Behandlung der niederen, in Abhängigkeit gehaltenen Schreibkräfte und ihrer Arbeitsbedingungen zur Darbietung zu bringen, da dieselben – immerhin nach Abwägung aller Unbilligkeiten und Gefährdungen – keine Widrigkeiten scheuten, um zur Erlangung der Erkenntnis beizutragen, die in der nachfolgenden Forderung ihre Ausformung findet, die ich  mit dem Ausdruck größter Hochachtung und dem gebührenden Respekt, der Ehre teilhaftig wurde zum Vortrag zu bringen und die des Inhalts ist, dass die Anhäufung von Hauptwörtern in der Hauptsache auf eine Unterernährung der Geistesbildung und der rechtzeitigen Unterrichtung ihre Zurückführung erfährt. Deswegen ist die Erstellung unserer Forderung in folgenden Wortlaut in Einstimmigkeit gefasst worden:  Gebt Verben Freiheit, Sire.

Das Rückgrat der Sprache

Wenn es um Verben geht (er spricht von Tat-Wörtern) wird Reiners unnachgiebig:

  • Das Verbum ist das Rückgrat des Satzes. Wenn man die Handlung in ein Hauptwort zwingt und ein farbloses Zeitwort anleimt, so bricht man dem Satz das Rückgrat. Er wird schlaff, langweilig, schwunglos und schwer verständlich.“[17]

Ganz anders das Verbum: Es macht den Satz klar, klangvoll, anschaulich. Woran liegt das?
Unser Satzbau ist prädikativ, nicht attributiv; zu Deutsch: Er verlangt Aussagen, nicht Beifügungen.[18] Verben leisten das. Sie machen unseren Text dynamischer, aktiver, leichter lesbar.

Nicht die „Kunst der Verständlichkeit des Schreibens“ ist gefordert, sondern die Kunst, verständlich zu schreiben. Friedrich Schiller (1759 -1805) befriedigte die Sinne mit kraftvollen Verben.

  •  Kochend wie aus Ofens Rachen, glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Tier wimmern.
    Unter Trümmern, alles rennet, rettet flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet.“[19]

Lasset Sätze nicht unnötig leiden

Wenn Sie von einem Hund gebissen wurden, dürfen Sie ruhig mal leiden. „Ich bin von einem Hund gebissen worden“. Die Passiv-Form ist sinnvoll, wenn irgendjemand oder irgendetwas gelitten hat. Man benutzt sie auch gerne, wenn Täter/Ursache nicht klar genannt oder bewusst verschwiegen werden sollen.[20]

„Wegen mehrerer Änderungswünsche hat sich die Lieferung leider verzögert.“ Heißt: „Wenn Sie (der Kunde) ihre Bestellung nicht mehrfach verändert hätten, wäre die Lieferung pünktlich erfolgt.“ Die Passiv-Form ist hier einfach eine Frage der Höflichkeit

„Das Haus wurde um 22 Uhr angezündet.“ Von einem Täter ist nicht die Rede. Darunter „leidet“ nicht nur die Feuerwehr. Sie hätte vermutlich auch lieber gemeldet, dass das Haus von Hans G. um 22 Uhr angezündet wurde.

Die „Aktiv-Form“ nennt Ross und Reiter, die Leideform hat – so Ludwigs Reiners – drei Schwächen:

  1. Der Täter bleibt ungenannt
  2. Die Form des Zeitwortes ist umständlicher, denn die Leideform kann man ja nur mit dem Hilfswort „werden“ bilden
  3. Die Leideform ist weniger anschaulich und weniger schwungvoll

Achtung, Drangeworfenes

Jean Paul schrieb: Dabei hatte der Knabe ein so gläubiges, verschämtes, überzartes, frommes, gelehriges, träumerisches Wesen.

Testen Sie sich bitte selbst. Was war nochmal genau mit dem Knaben? Richtig, weniger ist häufig mehr.

Eigenschaftswörter, Beiwörter oder Adjektive (lat. die „Drangeworfenen“) sind die am meisten missbrauchte Wortgattung, behauptet Wolf Schneider. Sie seien überwiegend leicht entbehrlich und richten Schaden an.

Bitte, gehen Sie alle Adjektive durch und prüfen Sie zunächst jedes einzelne, ob es wirklich nötig ist. Denn wir wissen doch inzwischen, dass Hurrikane häufiger „Verwüstungen“ anrichten. Aber wie oft muss man noch darauf hinweisen, dass Ahnungen immer dunkel, Trossen immer dick, und Felswände immer steil sind.

  • „Volle Lippen, gespenstische Momente, passende Augenblicke, nackte Tatsachen, entspannende Bäder, schillernde Persönlichkeiten, lärmende Kinder, duftende Rosensträucher, elegante Frauen, großartige Perspektiven, betörende Gesänge“.

Vermitteln diese Formulierungen neue Erkenntnisse oder sind es doch eher deja-vue-Erlebnisse?

Für Adjektive – dritter Stock

Der französische Staatsmann Georges Clemenceau (1841 – 1929), der mehrere Zeitungen gegründet hat, riet jungen Journalisten in seiner Redaktion: „Schreiben Sie kurze Sätze: Hauptwort, Verbum, Objekt: fertig!  Bevor Sie ein Adjektiv schreiben, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist.“

Welche Alternative bietet die Sprache noch, um abgedroschene, sinnfreie Adjektive zu vermeiden? Das richtige, das treffende Hauptwort. Statt „unfähiger Arzt“ ist „Quacksalber“ entschieden plastischer. Wie wär’s mit „Schlafmütze“ statt „unaufmerksamer Mensch“ oder „Wortschwall“ statt „weitschweifigen Darlegungen“.[21]

Also überlegen Sie sich bitte genau, ob das Adjektiv sinnvoll ist und anschaulicher macht, was Sie sagen wollen. Wie heißt es doch in einem alten Volkslied, bevor jemand heimlich die Adjektive gestrichen hat?

Am ausgetretenen Brunnen vor dem weinumrankten,
halbverfallenen Tore steht ein knorriger Lindenbaum?

Populärer wurde allerdings diese Version: Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum. Ich träumte in seinem Schatten so manchen süßen Traum.


Noch ein paar Sünden

Achtung WAS
Das Haus, was ich gestern gekauft habe… richtig oder falsch?
„Was“ ist zunächst ein Fragewort (was halten Sie…). Als Relativ-Pronomen darf es sich nur auf Unbestimmtes (alles, einige, manches) oder auf ein Eigenschaftswort (das Beste, was ich sagen kann) beziehen aber nie auf ein Hauptwort.

Hin vs. Her
Wenn die Bewegung in Richtung des Erzählers (oder Subjekts) geht, dann her (herein). Geht die Bewegung aber von ihm weg, dann hin (die Treppe hinunter)  

Anscheinend vs. scheinbar
Das Bild ist scheinbar ein Original. Wenn der Gutachter das so sagt, sollten Sie das Bild nicht kaufen; es ist eine Fälschung. Sagt er aber „das Bild ist anscheinend ein Original. Dann glaubt zumindest der Gutachter, dass das Bild echt ist. Naja, oder er lügt.

Dasselbe vs. das Gleiche

Wenn zwei im gleichen Boot sitzen, schippern sie in zwei Booten derselben Bauart. Falls diese Redensart Solidarität ausdrücken soll, dann ist Vorsicht geboten. Will man Sie täuschen oder hat jemand Probleme mit der deutschen Sprache?

Dasselbe heißt:  es ist identisch. Wenn Sie also beim Kellner dieselbe Suppe bestellen, wie die ihres Tischnachbarn, dann müssen Sie den Nachbarn schon fragen, ob er ihnen etwas von seiner Suppe überlässt. Wenn Sie nur die gleiche Suppe wollen, bringt der Kellner ihnen gerne eine andere aus dem Topf in der Küche.

Allerdings kann man angeblich nicht zweimal in denselben Fluss steigen; weil er sich ständig verändert. Aber das ist schon höhere Philosophie.

Was zeichnet gute Erzähl-Texte aus?

  • Sie zeugen von der Sachkenntnis des Autors und seiner kommunikativen Kompetenz. Er weiß über WAS, für WEN und WARUM er schreibt
  • Sie sind leicht zu verstehen, sie sind klar gegliedert, prägnant, nachvollziehbar und stimulierend geschrieben.
    Sie sind bildhaft und holen mit anschaulichen Beispielen das Abstrakte ins Konkrete,
    – Sie handeln von Menschen, von ihren Gefühlen und Gedanken, von ihren Ängsten und Hoffnungen.
  • Sie bevorzugen das Verb und die aktive Form. Sie greifen auf das Passiv nur im Leidensfall zurück. Sie meiden – wenn immer sinnvoll – die „narrative Zusammenfassung“ und übersetzen sie in Erlebnis, in Handlung.
  • Sie bestehen aus überwiegend linear aufgebauten Sätzen, die weder überladen noch sinnlos auseinandergerissen sind. Kürzeren folgen oft längere Sätze, um eintönige Rhythmen zu verhindern.
    – Sie sind charakterisiert durch das präzise, das treffende Wort.  Sie sind konkret und vermeiden abstrakte Oberbegriffe. Sie nennen Ross und Reiter und verstecken sich nicht hinter schwammigen, die Verantwortung verschleiernden Begriffen
    – Interessante Texte münden in einer Aussage, eine Erkenntnis, in einem Aha-Erlebnis.

Gerhard Specht, Berlin


 

Quellenangaben                                 


[1] Wolf Schneider, „Deutsch für Profis – Wege zum guten Stil“, Mosaik bei Goldmann, 2001

[2] Das Wort „eigentlich“ ist völlig überflüssig, aber es betont so schön, dass man sich jetzt mit den Eigenschaften des Begriffs auseinandersetzen möchte. Und das ist ja löblich. Oder?

[3] Friedemann Schulz von Thun, Inghard Langer, Reinhard Tausch, „Das Hamburger Verständlichkeitsmodell“, 1973, Methode zur Bewertung der Verständlichkeit von Texten

[4] Stefan Zweig, „Sternstunden der Menschheit“, Fischer-Verlag, 1998

[5] Mark Twain, Brief an George Bainton 1888; veröffentlicht in “The Art of Authorship”

[6] Kollateralschaden war das „Unwort des Jahres 1999“

[7] : Mark Twain, „Bummel durch Europa“, Anaconda, 2009

[8]  Ian McEwan, „Solar“, Roman, Diognes, 2010

[9]  Leo Brawand, „Die Spiegel-Story- Wie alles anfing“, Econ-Verlag,1987
[9] Homer „Illias“, 18. Gesang, Verse 475, 480, zitiert nach Gottwein.de, 2012

[11] Schneider, „Deutsch“, S. 183

[12] „Deutsche Grammatik“ (tandem-Verlag):

[13] Wolf Schneider „Deutsch fürs Leben – Was die Schule zu lehren vergaß“, rororo, 1994

[14] Franz Kafka, „Meistererzählungen“ (Die Verwandlung), 1. Kapitel, 1. Satz, Diogenes-Verlag

[15] W.D.Hund u.a. „Soziologie der Kommunikation“, S. 61, rororo, 1980

[16] Wolf Schneider, „Deutsch für Profis“, Mosaik bei Goldmann, 2001, S.90

[17] Ludwig Reiners, „Stilkunst – ein Lehrbuch deutscher Prosa“, C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, 1953

[18]  Ebenda, S. 106

[19]  Friedrich Schiller, Das Lied von der Glocke“, 1799

[20] Beispiele frei nach Reiners Stilfibel

Ludwig Reinders “Stilfibel”