Schreib-Stube

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„Schreib-Stube“ ist ein Sammel-Titel für Ansichten und Einsichten, für Weisheiten und Wissenswertes zum Themenkreis Schreiben und Lesen. Wenn es sich um konkrete Text-Formate wie Nachrichten Reportagen oder Kommentare handelt, klicken Sie bitte auf die nachstehenden Menü-Punkte.

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Reportage  

Kommentare

Das steht bereits in der Schreibstube

  • Textfunktionen/Schlag nach bei Horaz
  • Zehn Fragen an Ihren Text
  • Was ist ein guter journalistischer Text?
  • Weisheiten für Schreiberlinge

Schlag nach bei Horaz

Die Rede und also der Text muss „prodesse et delectare” (nützen und ergötzen),
sagt Horaz (65 – 08), der römische Dichter und Philosoph in „Ars Poetikca“.
Wir sind nicht Horaz, wir brauchen ein paar Worte mehr. Leider.

Text-Funktionen: Was wollen wir?

Was wollenwir sagen? Warum wollen wir es sagen? Wem und Wie wollen wir es sagen? Kurz gefasst: Was wollen wir?

  • Aktuell, verständlich, möglichst knapp informieren (News)  
  • Einprägsam erklären, einordnen, orientieren (Feature, Bericht, Kommentar)
  • Spannend erzählen von
    Ereignissen, Erkenntnissen, Begegnungen (Reportage)
  • Unterhalten (Soft-News, Boulevard-Stories)

Weisheiten für Schreiberlinge

Papier ist geduldig. Der Leser leider nicht.
Unbekannt

Jeder, der je etwas geschrieben hat, wird gefunden haben, dass Schreiben immer etwas erweckt, was man vorher nicht deutlich erkannte, ob es gleich in uns lag.
Georg Christoph Lichtenberg, Aphorismen

Ein Tagebuch schreiben ist wie Fotografieren mit dem Bleistift. Unbekannt

Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen. Mark Twain

Schreib den ersten Satz so, dass der Leser unbedingt den zweiten lesen möchte.
William Faulkner, Nobelpreisträger Literatur

So etwas wie moralische oder unmoralische Bücher gibt es nicht. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts.
Oscar Wilde

10 Fragen an Ihren Text

1. Was will ich sagen? Was ist das Wichtigste, Interessanteste, Neueste davon?
Das ist mein erster Satz

2. Wem will ich es sagen? Was dürfte ihn/sie am meisten interessieren?
Beachte die Angler-Weisheit: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

3. Wie kann ich den Einstieg möglichst attraktiv gestalten?
Beispiele: Einfache Feststellung, Frage, Rätsel, ungewöhnliche Behauptung, Zusammenfassung.

4. Wie kann ich meine Information sinnvoll gliedern?
Kriterien: Logischer Aufbau; Eine Information baut auf der Folgenden auf. Parallelhandlung. Weitere Fragen zur Strukturierung einfügen. Den  roten Faden beachten. Der Text  führt bei Nachrichten-Formaten vom Wichtigen zum weniger Wichtigen.

5. Wie kann ich Tatsachenbehauptungen belegen?
Beispiele: Zitate. Quellenverweise. Argumentationsstützen wie Statistiken, Autoritäten, Erfahrungsberichte.

6. Wie kann ich den Text abwechslungsreicher gestalten?
Beispiele: Die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Allgemeine Aussagen mit einem Einzelfall (pars pro toto) anschaulicher schildern.

7. Wie kann ich den Text leserfreundlich gestalten?
Beispiele: Zitate, reportagenhafte, szenische Einstiege. Sinnliche Elemente, anschauliche, bildhafte Beispiele und Beschreibungen einfügen. Die Story personifizieren.
Der Mensch liest am liebsten Geschichten über Menschen.

8. Ist mein Text beim ersten Lesen verständlich?
Kriterien: Einfache, klare Sprache, kurz und prägnant formuliert. Hauptsachen stehen in Hauptsätzen. Verben bilden das Rückgrat des Textes.

9. Habe ich wirklich ergebnisoffen recherchiert oder nur Belege für meine These gesucht?
Kriterien: Die wichtigsten Aspekte des Themas sind erfasst. Die Fakten, Namen, Zitate sind überprüft. Die wichtigsten Argumente der Gegenseite(n) sind aufgeführt. Ungeklärte Fragen sind als solche gekennzeichnet.

10. Ein guter Text erfüllt die Erwartungen des Lesers.
Kriterien: Er ist wichtig für den Rezipienten, er ist: aktuell, informativ, spannend, unterhaltsam, befriedigt (wahrscheinlich) die Neugierde des Lesers.
Der Text ordnet bei Kommentar-Formaten Informationen ein, erklärt Hintergründe, orientiert, gibt Denkanstöße, macht Widersprüche deutlich.

Anders gefragt: Was ist ein guter journalistischer Text?

Ein Text, der die Erwartungen des Lesers erfüllt.

Ein Text, der sich an der Zielgruppe orientiert

Erst an den Leser denken, dann schreiben
– Wer ist mein Leser? Kann ich sie/ihn beschreiben?
– Was könnte den Leser interessieren? Was ist ihm eventuell schon bekannt?
– Wie hole ich den Leser am besten in den Text? Wie mache ich ihn neugierig?
– Was ist das Wichtigste an meiner Botschaft für ihn?
– Macht der erste Satz neugierig?
– Verspricht der Einstieg dem Leser neue Erkenntnisse, Emotionen oder Unterhaltung?
– Hilft der Text dem Leser Probleme zu lösen?

Orientiert sich der Text an den Regeln des Handwerks?
– Ist der Text sinnvoll gegliedert? Gibt es einen roten Faden?
– Führt der Text vom Wichtigen zum weniger Wichtigen?
– Ist der Text leicht verständlich? Einfache, klare, treffende Sprache?
– Ist der Text kurz und prägnant formuliert?
– Enthält er stimulierende Elemente?
– stehen die Hauptsachen in Hauptsätzen?

Dann ist es ein guter journalistischer Text
(Auszug aus „Arbeitsblätter“)