Nachrichten-Formate

Das finden Sie unter diesem Menü-Punkt

Was ist eine Nachricht?
– Die 7-W-Fragen
– Die „umgekehrte Pyramide“
– Einstiegsvariationen eines Berichts
– Teaser Typen
Interview


Am Anfang war die Nachricht

Die Nachricht/Meldung (hard news) oder auch Einspaltergenannt ist eine kurze Mitteilung (selten über 30 Druckzeilen), die für den potentiellen Leser neu und wichtig/interessant ist.

Sie ist sachlich und so unparteiisch wie möglich formuliert. Nach der angelsächsischer Presse Ethik, die nach dem Weltkrieg II auch in West-Deutschland übernommen wurde, sind  stets  sowohl die Pro- als auch die Contra-Positionen darzustellen. Meinungsäußerungen des Autors sind in der Nachricht verpönt.

Die Meldung ist hierarchisch aufgebaut: Das Wichtigste und Aktuellste steht im ersten Satz (Leadsatz plus Quellenangabe). Die weiteren Informationen folgen je nach Bedeutung Schritt für Schritt danach  (vom Wichtigsten zum weniger Wichtigen). Die Meldung ist deshalb (notfalls „blind“) vom Ende her zu kürzen.

Das gilt nicht für „softt news“. Diese Meldungsform will vor allem unterhalten, zur Identifikation beitragen (Leser-Blatt-Bindung), hat Ventilfunktion (Dampf ablassen), versucht Klatschbedürfnisse und Neugier im zwischen-menschlichen Bereich zu befriedigen (human touch).

Inhalt: privat relevant Infos (hard-news: öffentlich relevante Infos) häufig über Prominente, Kurioses, Unfälle, Katastrophen, Verbrechen.
Die Meldungen greifen häufig auf Nachrichten aus dem
5-B-Bereich  zurück: Blut-Busen-Babies-Beichten-Bälle.
Soft-News informieren häufig aus der Perspektive des „Kleinen Mannes“, um einen Sachverhalt darzustellen.

Der Bericht ist die ausführlichere Form der Meldung. Er geht stärker auf die Details ein und informiert über Vorgeschichte und Umfeld des Themas.

7 W-Fragen: Er beantwortet die sieben W-Fragen: WER und WAS, WO und WANN, WIE und WARUM sowie WELCHE Quelle. Der Bericht, stellt ausführlicher die Pro- und Contra-Positionen gegenüber. Die relevanten Positionen zum Ereignis werden häufig als Gegensatz-Paare dargestellt: Täter vs. Opfer, Sieger vs. Verlierer, Verantwortliche vs. Betroffene, Partei vs. Partei

Inverted Pyramid/Umgekehrte Pyramide

Derr Aufbau einer Nachricht oder eines Berichts erfolgt nach dem Prinzip der „Inverted pyramid“, also zuerst as Wichtigste, das Neueste , das Interessanteste,das Ergebnis, das Urteil, die Quintessenz . Journalisten sprechen von „Leadsatz“ (eng. to lead = anführen, leiten, einführen). In der amerikanischen Journalistik wird dieser Anfang einer Nachricht als „Summary Lead“ bezeichnet, was auch die Zusammenfassung/Komprimierung der Information einschließt.

In Deutschland nannte Stern-Gründer Henry Nannen diese Aussage in einem Satz auch „Küchenruf“ (engl. Honeycall). Das/der Lead gibt also wieder, was der Leser/Rezipient am meisten an dem Thema interessieren dürfte.

Bausteine der „inverted pyramid“

1. Leadsatz  Er ist kurz, treffend und interessant für die Zielgruppe. Er besteht meist aus einem Satz; es können aber auch zwei, in Ausnahmefällen drei Sätze sein
2. Quelle Es folgen Einzelheiten zum Kern der News und die Quelle
3. Weitere Details
4.. Vorgeschichte/Hintergrund

Zur Erinnerung: Die klassische Pyramide (Aristoteles oder das Modell von Gustav Freytag) ist genau umgekehrt aufgebaut:
1. Einleitung/Exposition
                     2. erregendes Moment
                              3. Höhepunkt/Peripetie/Wende
                                         4. Retardierendes Moment
                                                  5. Schluss/Auflösung/Katastrophe/Katharsis

Einstieges-Variationen für einen Beericht
Klassische „W“-Einstiege     
WAS: Raucher sterben im Schnitt drei Jahre früher als Nichtraucher. Das ist das Ergebnis…

WER: Der Heidelberger Krebsforscher XY hat ein Gen isoliert, dass für die Nikotinsucht verantwortlich sein soll.

WARUM:Ein Lottogewinn ist Ursache für einen Unfall in X.  Der Fahrer eines Pkw hatte im Radio die Zahlen des Mittwochlottos…

THESE/QUINTESSENS. Dieser Einstieg  komprimiert den Sachverhalt, der Leser kann sich schnell für oder gegen weitergehende  Informationen entscheiden
Schon mit einer Zigarette nehmen wir mehr Giftstoffe auf als ein normaler Auto-Auspuff ausspuckt, behauptet K.M.

Der neue Flughafen „BER“ ist zu klein, um das erwartete Passagieraufkommen zu bewältigen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung…


Die 
FRAGE als Einstieg ermöglicht plakative Ankündigungen selbst komplexer Tatbestände

Wird der Willy-Brandt-Flughafen in Brand-Schutz-Airport umbenannt? Mit dieser Frage musste sich gestern…

Was macht ein Supermodel, das über keine nennenswerten Rundungen verfügt, aber Geld mit der Vermarktung von Unterwäsche verdienen möchte? Kate Moss wusste sich zu helfen. 

Der CLIFFHANGER reißt das Thema nur an, unterbricht an einem spannenden Punkt und verweist auf nähere  Informationen im nachfolgenden Bericht. Ziel: neugierig machen, in den Text locken.  

Immer mehr Deutsche müssen ihr Einkommen mit einem Zweitjob aufbessern. Aber das kann teuer werden. Auf was Doppelt-Jobber achten müssen, untersuchte….

Das ZITAT als Einstieg  wirkt authentisch, belebt den trockenen Nachrichtenstil

Der Maßstab der CDU ist und bleibt das christliche Menschenbild. Das ist auch eine Absage an jedwede Ideologie.“ Das betonte gestern Bundeskanzlerin, Angela Merkel, vor der Kommission für das neue Grundsatzprogramm ihrer Partei.

Die ANALOGIE  ist eine häufige Einstiegsvariante, wenn vergleichbare Projekte in unterschiedlichen Standorten oder mit unterschiedlicher Qualität in Beziehung gesetzt werden sollen; sehr beliebt beispielsweise auch, wenn nationalen/internationalen Themen auf die lokale Ebene herunter gebrochen werden sollen

Sollte das Rauchen in öffentlichen Parkanlagen verboten werden? Paris hat es untersagt.  Was macht Kiel?

In China wurden Flughäfen von der dreifachen BER-Größe innerhalb eines Jahres fertig gestellt. Warum dauert es in Berlin sechs Jahre und mehr?

Der SZENISCHER EINSTIEG wird insbesondere bei Reportagen/Features genutzt, kann aber bei Berichten/Porträts oder Interviews helfen, dem Leser einen ersten Eindruck vom Schauplatz oder der Person zu vermitteln

Karl S. zieht den Rauch seiner Zigarette tief in die Lungenflügel, hustet und drückt seine Kippe in den überquellenden Aschenbecher. Seit vier Wochen ist er auf dieser Station. Lungenkrebs.

200 Quadratmeter Bayern mitten in Preußen: Der Biergarten mit Sonnenschirmen von traditionsreichen, bayerischen Bierbrauern, die weiß-blau dekorierten Tische und Bänke und die Speisekarte mit Obatzdem, Weißwürstel und Leberkäse gaukeln dem Gast im Restaurant am Glienicker See Erinnerungen an den Urlaub im Alpenland vor

Der BOULEVARD-Einstieg  versucht sich an die Seite des Lesers zu setzen, seine Empfindungen zu antizipieren und formelhaft zusammen zu fassen

Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt soll der Termin für die Eröffnung des BER noch einmal verschoben werden.

Wer schützt uns eigentlich vor diesen Verfassungsschützern? Gestern hat sich herausgestellt, dass noch weit mehr Akten als bisher angenommen, schlicht und einfach verbrannt worden sind.

Auszug aus „Arbeitsblätter“. Das sind Kurzfassungen zu einzelnen Kapiteln im unveröffentlichten Manuskript „Schreibstunde“)

Teaser-Typen

Wenn es Leadsatz und umgekehrte Pyramide nicht schon längst gegeben hätte, für Online-Texte hätte man sie erfinden müssen. Alle mir bekannten Nachrichtenportale nutzen die Methode „Das Wichtigste im ersten Satz, um schnell zu informieren und – natürlich – Klicks zu erzeugen.

Mit zwei, drei Sätzen versucht das Portal neugierig auf die angekündigte Information zu machen, in den weiteren Text zu locken, der sich unter dem Kennwort „mehr“ verbirgt.

Der nächste Klick, die nächste Information. Und wenn Sie Glück haben, folgt die für Sie interessante Meldung. Wenn nein, erinnern Sie sich an Ihr Schul-Englisch: Teaser (Programmhinweis, Lockartikel), und – to tease = jemanden veralbern.

Nutshell, Fragen, Cliffhanger

Ich habe versucht Teaser-Meldungen in drei Kategorien einzuordnen. Die erste Variante, der Nutshell-Teaser entspricht am ehesten dem Leadsatz. To put in a nutshell bedeutet: Auf den Punkt bringen; so knapp zusammenzufassen, dass die Info – bildlich gesprochen – in eine Nussschale passen könnte.

1. Nutshell-Teaser, verdichtet die Information in wenige Sätze, damit sich der User schnell für oder gegen das Weiterlesen entscheiden kann. Die Information ist klar, knapp präzise und vor allem wichtig für die Zielgruppe.

Wegen des Eisenbahner-Streiks kommt es morgen zu zahlreichen Zugausfällen. Mehr

2. Fragen-Teaser steuern das Interesse. Die Frage kündigt plakativ komplexe Sachverhalte an. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Sie regen zum Nachdenken an, bauen Spannung auf und steuern Interesse ohne diktatorisch zu wirken. Der Goldstandart; dem User liegt die Frage auf der Zunge.

Wir schaffen das sagt die Kanzlerin. Schaffen wir das wirklich? Wer soll das alles bezahlen? Wie sollen diese Menschen dauerhaft integriert werden? Wann ist die Aufnahmekapazität wirklich erschöpft? Mehr

3. Der Cliffhanger-Teaser hört auf, wenn es am Spannendsten ist, wirkt wie ein Appetit-Happen macht Lust auf mehr. Ist wie ein Lockvogel, weckt Neugier, verzögert aber die Antwort.

Es gibt kein Geld mehr für unser Geld. Aber die Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Eigentumsbildung haben einen Ausweg gefunden. Ihr Tipp ist bares Geld wert ist. Mehr

Das Interview: Höre nicht auf zu fragen

Der Journalismus unterscheidet Interwies
           zur Sache, zur Person und zur Diskussion (Meinungsbild).

Bei diesem Format ist die Darstellung in Frage/Antwort-Blöcke gegliedert. Das erleichtert dem Leser die Orientierung und lockert gleichzeitig den Text-Block auf.  Im Gegensatz dazu:  das Recherche-Interview, bei dem lediglich Auszüge im Artikel erscheinen.

Aussageziel
Vor dem Interview sollte sich der Autor darüber klar sein, welche Form er realisieren möchte: Will er etwwas über die Person herausbekommen oder steht ein Problem im Fokus oder möchte er die Meinung einer Person X zu einem Thema Y erkunden. Die Rolle des Gesprächspartners fmuss vorab definiert sein, denn davon hängt auch die Dramaturgie des Interviews ab.

Fragen-Dramaturgie
Zur Vorbereitung gehört außerdem die Materialbeschaffung (Informationen zu Person/Sache  aus Archiv/Internet/, von Freunden und /Gegnern und die Festlegung der Fragen-Dramaturgie. Wie ist die Einstiegs- und Schlussfrage, welche Antworten kann ich auf welche Fragen erwarten.

Die wichtigsten Fragen-Arten
Offene Frage  (läßt dem Partner Raum für die Darstellung;  Vorsicht bei Vielrednern
Geschlossene Frage (zwingt zur Konzentration auf einen Punkt; kann häufig mit Ja oder Nein beantwortet werden
Einschätzungs-Frage (Was halten Sie vom Diesel-Skandal?
Indirekte -/“Feiglings“-Frage (Aussage eines Dritten wird in Frageform zitiert. Herr Z. behauptet, Sie hätte sich bestechen lassen. Was sagen Sie dazu ?
Provozierende/Suggestiv-Frage (Sind Sie nicht auch der Meinung, dass es an der Zeit wäre, ihr Amt zur Verfügung zu stellen?                    Plateau-Frage (Interviewer schildert die Vorgeschichte selbst)
Meta-Frage  (betrifft das Gespräch selbst) Werden Sie auch meine nächsten Fragen mit Schweigen beantworten?

Das sagt der Pressekodex zur korrekten Wiedergabe eines Interviews:
Richtlinie 2.4 – Interview: Ein Interview ist auf jeden Fall journalistisch korrekt, wenn es vom Interviewten oder dessen Beauftragten autorisiert wurde.

Unter besonderem Zeitdruck ist es auch korrekt, Äußerungen in unautorisierter Interviewform zu veröffentlichen, wenn den Gesprächspartnern klar ist, dass die Aussagen zur wörtlichen oder sinngemäßen Publikation gedacht sind. Journalisten sollten sich stets als solche zu erkennen geben. Quelle: Deutscher Presserat

Auszug aus „Arbeitsblätter“. Das sind Kurzfassungen zu einzelnen Kapiteln im unveröffentlichten Manuskript „Schreibstunde“)